20190503 Einsatz Spielplatz

Eine Vierjährige musste auf einem Wetterauer Spielplatz aus einem Gerät befreit werden. Der TÜV steht in der Kritik.

Für die vierjährige Sophia (Name geändert) war der jüngste Spielplatzbesuch aufregender als erwartet: Sie erlebte ihren ersten Feuerwehreinsatz aus nächster Nähe mit. Das Mädchen steckte nun in einem Spielgerät fest und musste von der Bönstädter Feuerwehr herausgeschnitten werden.

Auf dem Spielplatz am Bürgerhaus hatte sich die Vierjährige auf eine der beiden drehenden Metallkonstruktionen gestellt. Dann passierte, was laut TÜV-Gutachten nicht passieren kann: Sie steckte die Füße zwischen die beiden Streben des Spielgeräts, das für Kinder ab drei Jahren zugelassen ist. Dann konnte sich Sophia nicht mehr selbst herausziehen. Sie steckte fest.

Auch ihre Mutter konnte sie nicht befreiten und wählte den Notruf. Nach gerademal fünf Minuten waren die Feuerwehr und ein Rettungswagen vor Ort und machten entsprechend Eindruck auf die feststeckende, aber unversehrte Vierjährige. Bönstadts Wehrführer Patrick Limbach reagierte umsichtig: Eine mitgebrachte Fanta brach das Eis und die Feuerwehrleute konnten die hydraulische Schere ansetzen und eine der Querstreben entfernen. Nach der Untersuchung durch die ASB-Sanitäter aus Assenheim konnte Sophia weiterspielen - wenn freilich auch woanders.

Kind steckt auf Spielgerät fest: TÜV in der Kritik
Die Mutter ist heilfroh, dass ihrer Tochter nichts passiert ist, wundert sich aber: "Es ist mir unverständlich, wie der TÜV dieses Gerät freigeben konnte." Die Öffnung zwischen den Metallstreben sei zu groß.

Eine Nachfrage dieser Zeitung beim Spielplatzgeräte-Hersteller ist nicht mehr möglich: Die Firma Groh aus Bad Dürkheim, bei der die Stadt das Kombigerät gekauft und 2005 in Bönstadt aufgestellt hatte, hat 2011 Insolvenz angemeldet. Laut Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel wurde das Gerät nie beanstandet. Die für den jährlichen Spielplatz-TÜV zuständige Hessische Sportstätten Ausstattungs- und Service GmbH habe auf Nachfrage der Stadt noch einmal schriftlich bestätigt, dass das Gerät so abgenommen wurde. Die Öffnung zwischen den Streben sei mit zehn Zentimetern Breite nicht zu groß, so die Aussage der Prüfer. Die Stadt habe daher keinen Anlass gesehen, hier etwas zu ändern. "Es ist ein bedauerlicher Vorfall", sagt der Bürgermeister. Sophias Großmutter hatte die Stadtverwaltung nach eigener Aussage schon vor Jahren über die mögliche Gefahrenstelle informiert, aber nie eine Antwort erhalten.

Nicht erster Vorfall auf Bönstädter Spielplatz
Noch stehen die beiden Spielgeräte auf dem Spielplatz. Die Feuerwehr hat die noch intakte Konstruktion mit Panzerband umwickelt, so dass man nicht mehr durchrutschen kann. Wie Hertel sagt, werde man nun entscheiden, ob die Geräte entfernt werden. Ersatzteile für das Kombigerät bekomme man angesichts der Insolvenz nicht mehr. Man werde sich an andere Hersteller wenden.

Im April 2008 war die Feuerwehr schon einmal zum Bönstädter Spielplatz gerufen worden. Damals steckte ein (älteres) Mädchen in einer Schaukel fest, die für Kleinkinder gedacht war. Auch sie musste herausgeschnitten werden. Wegen eines Blutstaus in den Oberschenkeln kam sie zur Untersuchung in die Uniklinik nach Frankfurt. Das zumindest blieb Sophia erspart.

 

Quelle: Wetterauer Zeitung online



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